Limbus [Club]
 
Erik Satie meets Africa

Die Musik des genialen Querdenkers zwischen
Impressionismus und Surrealismus trifft auf die
afrikanische Polyrhythmik, angereichert mit
elektronischen Sounds und viel Freiraum für
Improvisation.
Gäste waren Tobias Bublath (percussion),
Matthias Steiner (Saxophon), Karsten Kulinna
(Bass), und der Brasiianer Dinho Alves (Vocals)







 
  Der Komponist
eine koloniale Phantasmagorie

 
  Mit lautem Rattern wurde der Landesteg ausgefahren.
Erwartungsvoll blickte die Menschenmenge auf den großen, weißen Dampfer, der am Quai angelegt hatte.
Der Passagier trat durch die Tür hinaus auf die Gangway: Er trug einen weißen Gehrock, ein weißes Hemd,eine weiße Melone, sein Kneifer war weiß umrandet. An seinem Arm hing ein weißer Regenschirm.
Die Brise wehte ihm unbekannte Düfte entgegen. Er rümpfte die Nase. Über ihm kreisten Möwen.
Der Passagier ließ seinen Blick schweifen: hin zur alten portugiesischen Festung, über die klassizistischen
Verwaltungsgebäude der Stadt, über die Lehmhäuser und Hütten, über die dunkelgrünen Hügel, hinter denen die Wildnis begann. Von der Festung der näherte sich eine Kutsche. Eine uniformierte Blaskapelle spielte auf: etwas, das wie Ragtime klang ...
Die Kutsche hielt am Ende der Gangway. Soldaten stiegen aus, standen stramm, salutierten, als zuletzt der Präfekt ausstieg. Ein großer Mann mit ordengeschmückter Brust.
Der Passagier schritt nun die Gangway hinab. Am Ende ergriff er die ausgestreckte Hand des Präfekten.
Die schwarze Menschenmenge jubelte verhalten.
Bevor er in die Kutsche stieg, warf der Passagier einen Blick zurück auf dem Dampfer: Ihm stockte kurz der Atem, als der große Holzkran das Klavier aus der Ladeluke hievte und es ein Stück weit über das Wasser schwang.
Das Klavier pendelte, pendelte stärker, kam langsam zur Ruhe, setzte auf dem Quai auf, von wo es starke, schwarze Docker es in einen Planwagen verfrachteten.
Die Kutsche brachte den Passagier, der ein berühmter Komponist war, und den Präfekten in die französische Festung, die einst eine portugiesische Festung war.
Dort wartete nämlich ein zivilisiertes Diner auf sie.

Heiner Grombein